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Lastenanhänger vs. Lastenrad - Ein Vergleich der pedalbetriebenen Transportsysteme


Die relevanten Unterschiede zwischen Lastenrad und Lastenanhänger erschließen sich nicht alle auf den ersten Blick, aber nach diesem Artikel weißt du mehr.

 

Lastenrad und Gespann aus Fahrrad und Lastenanhaenger stehen Vorderrad an Vorderrad voreinander und tun so, als wollten sie sich gegenseitig wegschieben
Mit dem wunderschönen, weißen Bullit von Thomas haben wir uns wirklich nicht den leichtesten Gegner ausgesucht

Fahrverhalten

  • Das Fahrverhalten von Lastenrädern ist gewöhnungsbedürftig. Die langen, zweirädrigen Bauweisen ('Long John') fühlen sich zunächst vergleichsweise kippelig an, erst nach ein paar Tagen Übung fährt man auf ihnen genauso sicher, wie auf einem normalen Rad. Hat das Lastenrad mehr als zwei Räder, muss der eigene Körper zunächst einmal lernen, dass es sich nicht durch Gewichtsverlagerung steuern lässt.
  • Durch einen Anhänger verändert sich das Fahrverhalten eines Fahrrades dagegen kaum, du kannst übergangslos weiterfahren und fühlst dich vom ersten Moment an sicher.
  • Um mit einem Lastenrad während der Fahrt zu wenden, benötigst du im Vergleich zu einem Gespann aus Fahrrad und Anhänger deutlich mehr Platz.
  • Mit Fahrradanhängern ist eine bedachte Fahrweise gefordert, denn bei Kurvenfahrt oder beim einseitigen Überfahren von Fahrbahnunebenheiten können sie umkippen. Das gilt besonders für nur leicht beladene Fahrradanhänger und welche mit Aufbau. Gespanne sind trotz ihrer höheren Wendigkeit zum um die Ecken wieseln ebenso wenig geeignet, wie Lastenräder.

Ein Lastenrad benötigt etwas Eingewöhnungszeit und Wendemanöver sind etwas tricky, dafür muss man bei einem Lastenanhänger etwas acht geben, damit er nicht versehentlich mal umkippt.

Bremsverhalten

  • Je schwerer die Beladung, desto mehr verlängert sich der Bremsweg eines Fahrradanhängers gegenüber dem eines Lastenrades. Relevant wird das zwar erst bei Gewichten, die so hoch sind, dass man meist automatisch langsamer fährt, im Gefälle jedoch oder mit einem Pedelec muss die Geschwindigkeit mit einem schwer beladenen Fahrradanhänger bewusst reduziert werden, sobald die Verkehrssituation Bremsbereitschaft erfordert.

Beim Bremsen mit schwerem Gewicht liegt das Lastenrad klar vorne. Für beide Last-Systeme gilt: Die Bremsanlage muss top in Ordnung sein und der Fahrer sollte eine Notbremsung unter verschiedenen Ladungszuständen geübt haben, bis er sie auch im Ernstfall beherrscht.

Zuladung

  • Ihr besseres Bremsverhalten unter Schwerlast ist auch der Grund, warum Lastenräder für deutlich höhere Zuladungen zugelassen sind als Lastenanhänger. Eine Ausnahme von dieser Regel sind Lastenanhänger, die über ein eigenes Bremssystem ('Auflaufbremse') verfügen. Das Thema 'Auflaufbremsen für Fahrradanhänger' reicht mit seinen Vor- und Nachteilen jedoch locker für einen eigenen Artikel. Wir arbeiten dran.
Lastenanhaenger Maiporter Z130 an einem Larry vs Harry Bullit angehaengt
Lastenrad und -anhänger kombiniert
  • Wer jedoch zum Beispiel für seinen Gewerbebetrieb eine Zuladung im absoluten Maximum realisieren möchte, kann auch in einem ungebremsten Lastenanhänger große Lasten transportieren, solange dieser gleichzeitig an einem maximal beladenen Lastenrad hängt. Denn je schwerer das Gesamtgewicht des Zugfahrzeuges, desto weniger wirkt sich ein schwer beladener Anhänger auf den Bremsweg aus.

Bei der möglichen Zuladung spielt das Lastenrad in einer anderen Liga als ein Lastenanhänger und empfiehlt sich darum für alle, die nicht nur gelegentlich, sondern gewöhnlich sehr schwere Lasten transportieren möchten.

Alltag

  • Das Rangieren und Wenden auf dem Bürgersteig ist mit einem Gespann aus Fahrrad und Anhänger durch dessen Abwinkelbarkeit deutlich einfacher.
  • Manchmal muss man beim Überqueren einer Straße einen Zwischenstopp auf einer Verkehrsinsel einlegen (in Amsterdam zum Beispiel wird man beim Queren von großen, mehrspurigen Straßen sogar mittels Ampelanlagen dazu gezwungen). Ein Gespann lässt sich hier durch Anwinkeln einiges bequemer auf die Breite einer Verkehrsinsel verkürzen als ein Lastenrad, das man dafür komplett schräg stellen muss.
  • Während Lastenräder für Fahrradstellplätze zu lang sind, sind sie für ein Gespann durch dessen Abwinkelbarkeit oft noch geräumig genug. Lastenrad und Gespann lassen sich besonders vor Supermärkten aber am besten auf Auto-Stellplätzen parken.
  • Durch Drängelgitter kommt man mit einem Fahrradanhänger immer irgendwie durch, mit einem Lastenrad muss man manchmal umkehren und sich einen anderen Weg suchen.
  • Ein Gespann aus Fahrrad und Anhänger benötigt bei dir daheim deutlich weniger Stellfläche als ein Fahrrad plus Lastenrad. Das Gespann kannst du bei Bedarf trennen, um sie auf zwei kleinere Stellflächen zu verteilen.
  • Ein Lastenrad in den Keller zu bringen ist in den meisten Fällen nicht machbar und auch manch Schuppen erweist sich als nicht geräumig genug.
  • Fährst du abwechselnd mit Lasten- und normalem Rad, musst du dich jedes Mal auf unterschiedliche Fahreigenschaften, anders ansprechende Bremsen und gegebenenfalls verschiedene Schaltsysteme umstellen. Beim Wechsel vom Fahrrad zum gleichen Fahrrad mit Lastenanhänger entfällt das.
  • Ein Fahrradanhänger ist wegen seiner (meist) seitlich laufenden Räder etwas breiter, als zweirädrige Lastenräder. Das stellt alltags unserer Erfahrung nach jedoch so gut wie keine Einschränkung dar, man wundert sich beim Durchfahren von Engstellen gewöhnlich eher, weil es dabei doch viel weniger knapp wird, als man zuvor befürchtet hat. Vorsicht ist natürlich trotzdem geboten!
  • Es gibt kaum eine bessere Möglichkeit, um sich durch fremde Städte und Länder treiben zu lassen, als auf dem Sattel eines Rades. Bei der Deutschen Bahn sind Lastenräder im Fahrrad-Waggon neuerdings leider komplett verboten, Fahrradanhänger dagegen bleiben erlaubt, benötigen jedoch ein zusätzliches Fahrrad-Ticket. Bei den regionalen Verkehrsverbünden gibt es teilweise abweichende Regelungen.
  • Auch im Auto bekommt man einen Lastenanhänger oft noch unter und wenn man vorm Einladen die Räder (und falls notwendig auch die Deichsel) demontiert und ihn mit Gepäck befüllt, nimmt er dabei weniger Platz ein, als man meint. Ein gängiges Lastenrad passt dagegen meist weder in einen PKW noch auf einen Fahrrad-Träger.

Wie wir sehen, ist das Lastenrad durch seine Sperrigkeit in vielen Bereichen des Alltags einem Gespann unterlegen. Doch es bleibt weiter spannend, denn schon im nächsten Absatz verteilen sich die Gewichte wieder ins Gegenteil, nämlich beim

Kindertransport

Ein kleiner, blonder Junge steht neben einem Gespann aus Fahrrad und dem Fahrradanhaenger Maiporter Z130 und schaut interessiert auf den Anhaenger
Verführerisch für den kleinen Henry, aber leider nicht möglich: Kindertransport mit einem Lastenanhänger
  • Ein entsprechend ausgerüstetes Lastenrad ist super für den Kindertransport geeignet, ein Lastenanhänger nicht. Ein zusätzlicher Lastenanhänger kann trotzdem sinnvoll sein, um zum Beispiel das Gewicht auf zwei Erwachsene zu verteilen.

    Und Kinderanhänger? Kinder sind schwer und zusätzlich fährt oft Gepäck mit. Kinderanhänger, die mehr als nur ein leichteres Kind transportieren, werden darum oft nicht nur gelegentlich, sondern gewöhnlich im oberen Grenzbereich der Zuladung bewegt, also dort, wo sich der Bremsweg eines Fahrradanhängers ohne Auflaufbremse spürbar verlängert. Kinderanhänger mit Auflaufbremse sind aber derzeit gar nicht erhältlich, sodass das Lastenrad hier gegenüber einem schwer beladenen Kinderanhänger ein dickes Sicherheitsplus einfährt. Auch was sonst noch oben im Abschnitt 'Bremsverhalten' zu Lastenanhängern zu lesen ist, gilt für Kinderanhänger umso mehr!

Anschaffungskosten

  • Während du bei der Anschaffung eines Lastenrades die komplette Fahrrad-Technik mit kaufst, musst du bei einem Lastenanhänger nur in den Lasten-Teil investieren. Denn ein Fahrrad um den Anhänger zu ziehen, ist meist schon vorhanden und wird meist auch bei Anschaffung eines Lastenrades nicht verkauft, sondern bleibt als Alternative zu diesem in der Garage.
  • Möchtest du dir den Lastentransport durch eine elektrische Unterstützung erleichtern, bleibt diese beim Lastenrad diesem allein vorbehalten, mit einem Lastenanhänger-Pedelec-Gespann kannst du das Pedelec auch mal solo nutzen.

 

Was ist für dich das richtige System? Wie sind deine Erfahrungen, haben wir in unserer Auflistung noch etwas vergessen? Schreib uns in die Kommentare!

 

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Kommentare: 2
  • #1

    Werner Würfel (Montag, 02 September 2019 11:50)

    Vielen Dank für die Infos. Ich fahre seit einem Jahr fast täglich mit einem Hänger und Alukiste 8,5km in die Arbeit. Die Erfahrung mit dem Umkippen hab ich auch schon gemacht. Seither fahre ich einfach etwas langsamer. Vor allem durch die asymmetrische Anhängerdeichsel kriegt man bei einer Vollbremsung im Regen oder Schnee ein ganz gefährliches Drehmoment auf das Hinterrad. Daher auch mein Tipp: "Langsam Fahren Langsam Essen Lange Leben" Ich mache jedenfalls alle meine Einkäufe mit dem Rad und Hänger Nachhaltige Grüße
    Werner Würfel

  • #2

    Antwort von Maiporter (Mittwoch, 04 September 2019 15:48)

    Hallo Werner,
    danke für deinen Kommentar. Uns ist auch schon mal ein Boxtrailer umgekippt weil wir zu schnell gefahren sind und man sollte besonders mit leichter Beladung nicht zu schnell durch Kurven und über Fahrbahnunebenheiten fahren, damit das nicht passiert. Auch ein niedriger Reifendruck minimiert diese Gefahr, weswegen wir den Z130 mit speziellen Ballon-Reifen von Schwalbe ausrüsten, die auch mit geringem Druck über einen sehr niedrigen Rollwiderstand verfügen. Vielleicht wären die ja auch etwas für deinen Boxtrailer. Ausführliche Infos dazu findest du hier:
    https://www.schwalbe.com/de/balloonbikes.html

    Jeder Fahrradanhänger mit moderner Tiefdeichsel schiebt das Fahrrad beim Bremsen nicht nur nach vorne, sondern drückt dabei auch das Hinterrad etwas nach links. Dieser Effekt wird beim Z130 dadurch, dass die Deichsel am Rahmen ebenfalls nach links versetzt ist, deutlich reduziert und wird generell erst spürbar, wenn das Hinterrad die Bodenhaftung zu verlieren droht. Darum gilt es mit Anhänger so umsichtig zu fahren, dass man diesen kritischen Bereich gar nicht erst erreicht. Wie wir oben im Artikel bereits schrieben: Um die Ecken wieseln verträgt sich mit Fahrradanhängern nicht gut.

    Glatt können Straßen nicht nur im Winter vom Schnee oder im Herbst vom Laub werden: In der warmen Jahreszeit sammelt sich nach längeren Trockenphasen (die unsere Sommer ja leider immer mehr prägen) ein Gemisch aus Schmutz, Reifenabrieb und Pollenstaub auf den Straßen. Das kann, wenn es gerade erst angefangen hat zu regnen oder nicht stark genug regnet, einen gefährlich glatten Schmierfilm erzeugen. Das sollte man im Hinterkopf behalten, um bei solchen Wetterverhältnissen (auch mit KFZ) gefühlvoller zu bremsen, die (Kurven-)Geschwindigkeit zu reduzieren und den Sicherheitsabstand zu erhöhen.

    https://www.motor-talk.de/news/rutschgefahr-nach-sommerregen-t4984577.html

    Ebenso nachhaltige Grüße zurück

    Maiporter